Am 16.07.2003 wurden wir zu einem Brand in der Not- und Reststoffdeponie des ZAW gerufen.
Zeitungsberichte:
RÖDENTAL. Die Alarmierung erfolgte um 14.47 Uhr: "Brand von Kunststoffballen auf dem Deponieglände in Blumenrod". Vor Ort alarmierte die Rödentaler Wehr sofort nach. Dem Einsatzleiter war klar, dass massive Verstärkung nötig sein würde. Wehrleute aus Neustadt, Coburg, von der Goebel-Werksfeuerwehr, aus Steinrod, Ebersdorf, Weitramsdorf, Dörfles-Esbach, Kaltenbrunn, Altenhof rückten an. Kreisbrandrat Sandor Aladi verfügte schließlich über mehr als 160 Mann. Dennoch dauerte es bis 17.45 Uhr, ehe "Feuer unter Kontrolle - Nachlöscharbeiten" ins Einsatzprotokoll geschrieben wurde.
Kunststoffe verschiedener Sorten stabelten sich in Kubikmeter großen Ballen zu fünf Lagen. Das Feuer hatte sich bereits tief ins Material gefressen und konnte nur mit Schaum bekämpft werden. Aus dem gesamten Kreisgebiet wurde Schaumbinder herbeigeschafft, der dem Löschwasser zugesetzt werden muss. Rund 4000 Liter der laut Sandor Aladi nicht eben billigen Substanz kamen zum Einsatz.
Die Löscharbeiten wurden mit Hochdruck vorangetrieben, weil die riesige Rauchsäule giftige Stoffe nach Blumenrod, Steinrod und Waldsachsen zu tragen drohte. Messungen der Feuerwehr zeigten laut Kreisbrandrat verschiedene Giftsstoffe von Formaldehyd bis Salzsäure an. Die Bürger in den betroffenen Stadtteilen wurden per Radio und mit Lautsprecherdurchsagen der Polizei gewarnt. Später hieß es am Fahrzeug der Einsatzleitung, dass bei Kontrollmessungen im Stadtgebiet keine gefährlichen Werte erreicht wurden. "Der war gut!", lobte Sandor Aladi einen Fahrer der Deponie, der mit Atemschutz der Feuerwehr ausgerüstet auf einem walzenartigen Verdichterfahrzeug mitten ins Feuer fuhr, um die brennenden Stapel aufzureißen, damit das Löschmittel die Brandherde erreichen konnte. Die Angriffstrupps konnten nicht ohne Atemschutz arbeiten. Daher wurden immer weitere Feuerwehren einbezogen, um Ersatzleute zu bekommen. "Wer zweimal drin war ist hinüber.", beschrieb Sandor Aladi die Belastung der Atemschutzträger. Nach 30 Minuten Einsatz pausieren sie ebenso lange, um dann erneut gegen die Flammen vorzugehen. Danach müssen Ersatzleute her, wird die körperliche Belastung durch Anstrengung und Hitze zu groß. Noch am Abend rollten weitere Einsatzfahrzeuge nach Blumenrod, brachten Material und Mannschaften für die Brandwache, die über Nacht aufrecht erhalten werden sollte. Insgesamt geht Aladi von rund 200 eingesetzten Feuerwehrleuten aus.
Wie einige Stadtratsmitglieder aus Rödental war Landrat Karl Zeitler vor Ort. Er veranlasste die Versorgung der Einsatzkräfte, zu denen auch zehn Sanitäter und ein Notarzt gehörten, mit Getränken und Verpflegung. Das verwendete Löschwasser, das über die Zisterne des abgedichteten Deponiegeländes aufgefangen wird, muss durch eine Spezialanlage in Schwabach entsorgt werden, erklärte der Kreisbrandrat. Auch das verteuert den Einsatz. Bewährt hat sich ein erst vor kurzem (mit Blick auf die neue Autobahn) angeschafftes Einsatzfahrzeug für einen stark haftenden Spezialschaum. Aladi: "Dass wir das so bald brauchen würden, hat keiner gedacht."
Mitarbeiter der Stadtwerke reagierten rasch, als sie den Einsatz bemerkten und pumpten erhöhte Wassermengen in den Hochbehälter, der die Hydranten am Brandort speist.
Rainer Lutz(Neue Presse vom 18.07.2003)
------------------------------------------------------------------------------------------------------ Einsatzkräfte leisteten schier Übermenschliches
BLUMENROD - Coburgs Kreisbrandrat Sandor Aladi kann sich nicht an einen Brand auf einer Mülldeponie erinnern, der das gewaltige Ausmaß des Feuers am Mittwoch in Blumenrod erreicht hätte. Gegen 14.35 Uhr hatten sich Kunststoffballen entzündet, die nach Polizeiangaben auf einer Länge von 100 Metern und einer Breite von 80 Metern lichterloh in Flammen standen. Die mächtige Rauchsäule war in weiten Teilen des Landkreises Coburg zu sehen. Selbst in Michelau war der pechschwarze Qualm am stahlblauen Himmel zu erkennen, berichtete Coburgs Kreisbrandrat Aladi am Donnerstag. Um das Feuer zu bekämpfen, waren zeitweise bis zu 200 Frauen und Männer der Freiwilligen Feuerwehr Rödental, der Werkfeuerwehr Goebel sowie der Freiwilligen Feuerwehren Steinrod, Neustadt, Coburg, Ebersdorf, Dörfles-Esbach, Weitramsdorf, Altenhof, Kaltenbrunn, Weidach, Großheirath und Wörlsdorf eingesetzt. Um für den niemals auszuschließenden Fall eines zweiten Brandes im Kreisgebiet gewappnet zu sein, wurden nicht alle umliegenden Wehren nach Blumenrod beordert, erläuterte Aladi. Ihm oblag die Einsatzleitung am Mittwoch bis kurz nach 18 Uhr. Anschließend übernahm Kreisbrandmeister Stefan Zapf die Führung der Löschkräfte. Sie arbeiteten an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. So konnte das Feuer nur unter Einsatz von schweren Atemschutzgeräten bekämpft werden. Bei Außentemperaturen von bis zu 35 Grad Celsius und sengender Hitze, die vom Brandherd ausging, leisteten die Frauen und Männer der Feuerwehr dabei teilweise schier Übermenschliches. Ein großes Lob hatte Kreisbrandrat Aladi auch für die Rettungskräfte vom Notarzt bis zu den Mitgliedern der Schnellen Einsatzgruppe des BRK. Sie hätten sich hervorragend in die Einsatzplanung eingebracht und verletzte oder erschöpfte Löschkräfte bestens betreut. Landrat Karl Zeitler war am Donnerstag voll des Lobes über die Koordination des Einsatzes und die Arbeit der Lösch- und Rettungskräfte. Alle, so Zeitler gegenüber dem Kreisbrandrat, hätten ihr Bestes gegeben. Sandor Aladi: «Das stimmt!» Noch am Mittwoch wurden, so die Polizeiinspektion Neustadt, 30 Feuerwehrmänner vorsorglich wegen möglicher Atemwegsbeschwerden untersucht; am Donnerstagmorgen meldeten sich weitere acht bei Ärzten. Sandor Aladi betonte, dass die Feuerwehren sofort nach der Alarmierung Schadstoffmessungen vornahmen. Dabei beschränkten sie sich nicht auf Blumenrod, Thierach und Spittelstein, sondern fuhren bis in das Ortszentrum von Rödental. «Wir sind da sehr sensibel und penibel», betonte der Kreisbrandrat. In keinem Fall – auch nicht direkt an der brennenden Kunststoffdeponie – sei eine kritische Schadstoffkonzentration von Formaldehyd, Salzsäure oder Nitrosegasen festgestellt worden. Deshalb sei auch keine Evakuierung der umliegenden Ortschaften notwendig gewesen. Aladi: «Wir konnten uns auf Hinweise, unter anderem Lautsprecherdurchsagen, beschränken, Fenster und Türen geschlossen zu halten und sich nicht ins Freie zu begeben.»
Coburger Tageblatt vom 18.07.2003
Die am Einsatz beteiligten Feuerwehren und Hilfsdienste: FF Steinrod, FF Rödental, FF Dörfles-Esbach, WF Annawerk, WF Goebel, FF Neustadt bei Co., FF Coburg, FF Ebersdorf b. Co., FF Kaltenbrunn, FF Weitramsdorf, FF Großheirath, FF Altenhof und die SEG Rödental, dieser gilt der besondere Dank für die gute Betreuung.
Einsatzkräfte Steinrod: 26 Dauer: 13.0 Std.
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